item5
Trees
Trees my great site Trees
Trees
 
Home
Vergaberichtlinien
Satzung
Geschäftsordnung
Geförderte Projekte
Suttner-Biografie
Links
Kontakt
Impressum

DFG-VK-Logo

adresse01

 

 

Bertha von Suttner

Adlige, Erzieherin, Schriftstellerin, selbst ernannte Diplomatin für den Frieden, Nobelpreisträgerin – die Baronin Bertha von Suttner war eine schillernde, vielseitige Persönlichkeit. Obwohl ihr Wirken nie unumstritten war, verdankt ihr die europäische Friedensbewegung des 19. Jahrhunderts wesentliche Impulse. Ihre pazifistische Überzeugung machte sie zudem zur Namensgeberin der Bertha-von-Suttner-Stiftung.

In die Wiege gelegt wurde ihr das nicht. 1843 in den österreichischen Hochadel hineingeboren, steht für die junge Gräfin eigentlich eine standesgemäße, vermögende Heirat auf dem Plan. Aber das klappt aus verschiedenen Gründen nicht. Mit 30 Jahren immer noch unverheiratet, entschließt sie sich, als Gouvernante eine Stellung anzunehmen. Hier profitiert sie das erste Mal von ihrer guten Ausbildung: Französisch, Italienisch und Englisch, moderne und klassische Literatur, Musik. Im Hause des Barons von Suttner verliebt sie sich in dessen jüngsten Sohn. Die Verbindung mit dem sieben Jahre jüngeren Artur wird gesellschaftlich zunächst nicht akzeptiert, weshalb das Paar durchbrennt und einige Zeit im Kaukasus verbringt.
Hier beginnt Bertha von Suttner zu schreiben: Feuilletontexte, Theaterstücke, Fortsetzungsgeschichten und ähnliches. Sie interessiert sich zunehmend für Naturwissenschaften und Soziologie und entwickelt eine freiheitlich-liberale Weltanschauung, die sie mit verschiedenen Büchern in Umlauf bringt. In England, Frankreich, Italien, Dänemark, Deutschland, Ungarn, Norwegen und Schweden gründen sich zu dieser Zeit örtliche oder nationale Friedensgesellschaften. Gleichzeitig gibt es Bestrebungen, eine europäische Friedensliga zu bilden und ein internationales Schiedsgericht einzusetzen, um zwischenstaatliche Konflikte vor Gericht statt auf dem Schlachtfeld zu lösen. Diese Ideen faszinieren Bertha von Suttner enorm. Durch den persönlichen Kontakt mit den Anfängen der organisierten Friedensbewegung in Europa wendet sie sich nach ihrer Rückkehr nach Österreich mehr und mehr dem Thema Krieg und Frieden zu.


Die Waffen nieder!
Meine Rüstung ist die defensive,
Deine Rüstung ist die offensive,
Ich muss rüsten, weil du rüstest,
Weil du rüstest, rüste ich,
Also rüsten wir,
Rüsten wir nur immer zu.


1889 veröffentlicht sie den Roman „Die Waffen nieder!“ – mit einer Auflage von 210.000 Stück und Übersetzungen in 27 Sprachen ein überaus großer Erfolg. Es handelt sich dabei um den tagebuchartigen, emotionalen Lebensbericht einer österreichischen Adligen vor dem historischen Hintergrund der Kriege, in die Deutschland sowie Österreich von 1859 bis 1870/71 verwickelt waren. Die ungeteilte Zustimmung der Friedensbewegung findet er nicht; Carl von Ossietzky etwa etikettiert das Buch als „Kitsch“. Doch Bertha von Suttner will nicht nur politisch und ökonomisch gegen den Krieg argumentieren, sondern auch die Grausamkeit bewaffneter Auseinandersetzungen vor Augen führen: „Desto besser, wenn sich der Verstand auch gegen den Krieg auflehnt, aber unterdrücken wird darum nicht die Empörung unserer Herzen.“
Aller Kritik zum Trotz machen seine wesentlichen Inhalte – die Auseinandersetzung mit der Militärpolitik des preußischen Obrigkeitsstaates, die Ablehnung der allgemeinen Wehrpflicht, die Entlarvung von kirchlicher Scheinheiligkeit und nationalem Chauvinismus – den Roman zu einem Stück antimilitaristischer und humanistischer Literatur, das die Öffentlichkeit aufhorchen lässt und dem Friedensgedanken zu weiter Verbreitung verhilft. Überdies ist er ein Zeugnis davon, mit wie viel Herzblut und Engagement sich eine Frau in die Belange der Politik einmischt – und dies lange Zeit, bevor das Frauenstimmrecht Einzug in die europäischen Parlamente hält.
In den deutschsprachigen Ländern bringt „Die Waffen nieder!“ die Friedensbewegung in Gang – unter tatkräftiger Mitarbeit der Autorin. Sie ruft 1881 zur Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft auf, deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1914 bleibt. 1892 unterstützt sie Alfred Hermann Fried bei der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft und gibt mit ihm bis 1899 monatlich die Zeitschrift „Die Waffen nieder!“ heraus. Sie schreibt auch für andere europäische Zeitungen und nimmt an fast allen Weltfriedenskongressen teil.
Dabei sind wiederum ihre Sprachkenntnisse überaus nützlich, aber auch ihre aristokratische Herkunft und ihr gesellschaftliches Auftreten. Hinzu kommen ein starkes Selbstbewusstsein und ein ausgeprägter Optimismus. So lässt sie es sich ebenfalls nicht nehmen, mit einem eigenen Salon an den Haager Friedenskongressen teilzunehmen, wo die Anwesenheit von Frauen eigentlich nicht vorgesehen war. 1905 erhält Bertha von Suttner für ihr Lebenswerk als erste Frau den Friedensnobelpreis.
Für die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und ihre Stiftung ist Bertha von Suttner Vordenkerin und Wegweiserin. Denn sie setzte sich bereits im 19. Jahrhundert mit den politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinander, die auch aktuell noch die Tagesordnung bestimmen: militärisches Denken sowie bewaffnete Auseinandersetzungen zu überwinden und Konflikte mit zivilen Mitteln zu bewältigen.

Heike Lischewski (Journalistin; www.heike-lischewski.de)

© 2016 Bertha-von-Suttner-Stiftung der DFG-VK | Alle Rechte vorbehalten